Das offene Orthodoxe Seminar 2012. Die Eindrücke.

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Ich und Daria hatten das Glück beim offenen Orthodoxen Seminar in München dabei gewesen zu sein. Wie es sich herausgestellt hat, findet dieses jährliche Seminar schon seit 30 Jahren in der Münchener Kathedrale statt. Es war also nicht nur unser erstes, sondern auch das Jubiläums- Seminar.

Es war offensichtlich der liebe Gott selbst, der uns Unentschlossene in unserer Absicht dorthin zu fahren bekräftigt hat. Denn ich verspüre jetzt nach der Fahrt ein wundersames Gefühl der geistigen Kräftigung. Das erste was in der Erinnerung geblieben ist, war die nette Stimme am Telefon, welche der Matuschka, der Frau von Priester Nikolai Artemov gehörte. Sie musste lachen, nachdem ich wieder mal unsere Absage der Teilnahme am Seminar für ungültig erklären musste. Danach folgte eine Reihe von Ereignissen, die vielleicht nicht direkt etwas mit dem Seminar zu tun haben, aber dennoch das Bild dieser wunderbaren Dezembertage vervollständigen. Zuerst die Ankunft von Daria aus Hamburg in Berlin, ein nur 3-stündiger Schlaf, 6 Stunden zusammen im Zug. Die Unterhaltung der Schwestern in Christus, die lange Zeit sich nicht getroffen hatten, so spannend, dass wir unsere S-Bahn Station in München verpassten und umkehren mussten. Wir mussten warten auf die nächste Bahn, dabei haben wir vom heißen Tee geträumt… Und endlich waren wir da, das erste Mal in der Kathedrale der heiligen Neumärtyrer und Bekenner Russlands. Wunderschön! Und was für nette Leute! Wir wurden sehr herzlich mit heißem Tee empfangen. Nach der kleinen Zwischenmahlzeit ging es zum gemeinsamen Gebet, nach welchem Erzbischof Mark das Treffen eröffnete. Uns hat alles interessiert, obwohl wir das Fehlen von Schlaf letzte Nacht verspürten.

Schon der erste Vortrag von Vr. Nikolai Artemov zum Thema «VII Jahrhundert: Freiheit des menschlichen Willens. Vergöttlichung. Das Werk des hl. Maximos des Bekenners» hat uns mit seiner Tiefe und Verständlichkeit total beeindruckt und hat eine Gedankenwelle erzeugt, über Vergöttlichung (gr. Theosis) – über den idealen Zustand, welchem jeder Christ in seinem Leben zustreben soll. Nach dem Ende stellten die Teilnehmer Fragen, die so unterschiedlich waren wie die Teilnehmer selbst. Das war sehr interessant und hat gut zur Beschreibung des Seminars gepasst, wo es um eine freie Gesprächsform mit den Priestern, um Kennenlernen und Gemeinschaftlichkeit ging. Beim gemeinsamen Essen begann dann das Schließen von Bekanntschaften. Es waren Leute aus Wiesbaden, Karlsruhe, Frankfurt, Salzburg, Brüssel, wie auch aus kleineren Städten, aber vor allem aus München da. Ein neues Gefühl, dass der Orthodoxe Glauben allumfassend und einheitlich ist, wurde geboren.

(Bis hierher Übersetzung aus dem Russischen von Donat, leicht überarbeitet von Peter)

Eine wahre Bekräftigung war natürlich der Bischofsgottesdienst, wie immer würdevoll, besonders schön und segensreich, und das innerhalb von 3 Tagen. Solche Verbindung der Gebetsatmosphäre der Gottesdienste mit der Arbeit des Seminars schien mir ideal für unsere Kommunikation mit den Geistlichen zu sein. Jeder Vortrag war auf eigene Art aktuell, interessant und neu, mit lebendigen Beispielen, erstaunlichen Fotos und interessanten Kommentaren.

Im Vortrag von Nonne Vassa über die aktive Teilnahme der Gläubigen im Kontext des orthodoxen Gottesdienstes wurde zum Beispiel die Frage der Niederwerfung vor dem Gebet „Vater Unser“ (welche wir nicht schaffen zu vollbringen, die aber während der Fastenzeit unbedingt vollbracht werden sollte) angeschnitten. Auch über das Lesen des Evangeliums vor dem Altartisch oder auf dem Ambon, und über kirchliches Singen wurde gesprochen. Vater Nikolai gab dem Wunsch Ausdruck, aus der Überlieferung wirklich gute und sinnvolle Traditionen zu gewinnen, die zur Verständlichkeit des Gottesdienstes und zur aktiven Teilnahme der Gläubigen daran beitragen würden.

Besondere Aufmerksamkeit wurde der Arbeit mit Jugendlichen gewidmet. Im Seminar traten 2 junge Frauen auf – die Kuratorinnen für Jugendarbeit beim Synod – Lija Smirnova und Ekaterina Paliy, die so vorbildlich, bildhaft und optimistisch das internationale Jugendprogramm „Glauben und Handeln“ präsentierten, dass man ihnen die Fragen stellte: „Und welche Probleme haben Sie eigentlich?“ und: „Wie unterscheidet sich Ihre Tätigkeit von der Tätigkeit einer Komsomol-Organisation?“ Das hat die Moskauer Gäste etwas verwirrt, aber sie konnten auch über Probleme bei ihrer Arbeit erzählen, und auf die zweite Frage halfen ihnen die Geistlichen zu antworten. Die anwesenden Jugendlichen konnten sich außerdem bei einem informellen Gespräch treffen, welches die Kuratoren der Jugendarbeit Erzpriester Ilya Limberger (Stuttgart) und Katja Khorsun (München) im Münchener „Augustiner“ organisierten. Am nächsten Tag trat Vater Ilya mit seinem angekündigten Vortrag “Die Heilige Schrift durch das Prisma des Ehesakramentes” auf. Es war sehr spannend, sich in den Sinn der Verweise auf die Heilige Schrift zu vertiefen, welche das Ehesakrament enthält, umso mehr weil Vater Ilya seinen Vortrag sehr dynamisch, im Dialog-Stil und nicht ohne Humor-Anteil aufbaute. Er berichtete den Hörern außerdem über das Problem der Arbeit mit der heutigen Jugend in Deutschland, wo die große Kluft zwischen physischer und professioneller Reife Schwierigkeiten bei der Gründung christlicher Familien schafft.

Die Teilnehmer des Seminars wurden sowohl von Mitgliedern der Münchener Kirchengemeinde als auch von den Münchener Klöstern untergebracht. Sehr angenehm haben uns die Güte der Leute, ihre Bereitschaft uns hin- und zurückzufahren, ihre Freundlichkeit, und die Organisation der Mahlzeiten überrascht. Nur deswegen sollte man dahin gekommen sein! Eine weibliches Mitglied der Gemeinde der Münchener Kathedrale namens Natalia wollte uns unbedingt das Grab des neu verherrlichten Heiligen Alexander Schmorell zeigen. Aber leider hatten wir dafür keine Zeit mehr. Also gibt es einen Grund zum nächsten Orthodoxen Treffen zu kommen. Übrigens wurden die Themen des nächsten Treffens zusammen mit den Teilnehmern des Seminars bestimmt, so dass jeder die Möglichkeit hatte, seine Wunschthemen vorzuschlagen. Wahrscheinlich werden das nächste Mal Themen wie Ikonen, das Mönchstum, die Kindererziehung zur Sprache kommen.

(Zweiter Teil übersetzt aus dem Russischen von Veronika, leicht überarbeitet von Peter)

 

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