Osterbotschaft S.E. Erzbischof Mark 2016

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Da wir die Auferstehung Christi geschaut haben,
laßt uns den Heiligen Herrn Jesus anbeten, den Einzig Sündlosen…“

Oft hören und singen wir dieses kirchliche Lied, diesen Freudengesang. Die Frage ist: wo haben wir denn die Auferstehung Christi geschaut? Die Antwort ist einfach: in uns selbst.

Die Auferstehung Christi ist kein abstraktes oder historisches Ereignis, das wir einmal im Jahr feiern. Im Zustand der Auferstehung muß unser ganzes christliches Leben verlaufen. Wenn wir mit Glauben und Liebe zum Kelch treten, den uns der Heiland schenkt, und wenn wir mit derselben Liebe und Glauben versuchen, unser Leben zu durchleben, das uns derselbe Heiland gibt, so erschließt sich uns, dass die herrliche Auferstehung Christi – unsere eigene Auferstehung ist. Indem sie in unser Leben eintritt, wird sie zum unabdingbaren Bestandteil unseres Daseins, wird schon jetzt geistig in uns vollzogen und offenbart.

Wir sind von der Sünde getötet: der Herr aber kam in unsere Welt mit dem einzigen Ziel, uns mit Sich auferstehen zu lassen. Christus Selbst, der Quell des Lebens, bedurfte ja der Auferstehung nicht. Da Er der Sünde und dem Tod fremd war, verfiel Er niemals in Sünde, und veränderte sich nie in Seiner Herrlichkeit. „Allverherrlicht und höher als alle Engelsheere, Mächte und Kräfte – ebenso wie Er sich entäußerte und um unseretwillen starb, so erstand Er auch und wurde um unseretwillen verherrlicht, um das in Seiner Person Geschehene daraufhin in uns zu wiederholen und dadurch uns zu retten“ (hl. Makarios d. Gr.).

Solch eine herrliche Mit-Auferstehung geschieht dann mit uns, wenn wir Seine Handlungen im Laufe Seines ganzen Lebens auf unserer Erde bewußt mitdurchleben. Der Herr ging hinaus aus der Heiligen Stadt Jerusalem und stieg aufs Kreuz, wobei Er daran zugleich mit Sich Selbst alle Sünden der Welt annagelte. Auch wir müssen aus der eitlen, sündigen und leidenschaftlichen Welt herausgehen und in die Tiefe des eigenen Herzens herabsteigen. Dieser Herabstieg kommt in unseren Gottesdiensten, insbesondere am Großen Freitag, zum Ausdruck, wenn allkirchlich das Grabtuch und die Totenklage vollzogen wird. Doch dieses kirchliche Zeugnis ist uns gegeben, damit es sich weite auf jeden Tag und jede Stunde. Wenn wir im Gebet in das Grab der Buße und Demut herabsteigen, dann steigt Christus Selbst, wie derselbe hl. Makarios sagt, „von den Himmeln herab, zieht in uns ein wie in das Grab, vereinigt sich mit unseren Seelen, und führt sie zur Auferstehung, die sie deutlich im Tod verweilen“. Wenn wir das verstehen und annehmen, zur Grundlage unseres Gebetslebens und unseres geistlichen Tuns machen, dann wird Seine Auferstehung  in uns wirken; dann, und nur dann, wird sie für uns zu einer neuen Realität, zu neuem Leben in ständiger Mit-Auferstehung  mit Christus.

Das wahre Leben bringt uns Christus nicht von Außen – Er, der Er Selbst ganz das ewige Leben ist. Erinnern wir uns an die Worte am Grab des Lazarus: „Martha spricht zu ihm: Ich weiß, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tage. Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du dies?” (Jo 11, 24-27). Laßt uns doch  mit Martha antworten: “Ja, Herr! Ich glaube, daß Du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt”.

Solange der Mensch in seiner Seele nicht Gott festhält durch seine Treue, so lange ist er wirklich noch erstorben, verweilt im Tod. Erst wenn Christus nach Seiner unaussprechlichen Barmherzigkeit und Menschenliebe, angesichts unseres Strebens und unserer Liebe zu Ihm, Selbst kommt und die tote Seele auferweckt, dann empfängt die Seele mit dem Leben auch die Gnade, die die Seele befähigt zu schauen, wie Er Selbst in ihr aufersteht und sie auferweckt.

Dank Seiner Milde zu uns kann unsere tote, blinde und gefühllose Seele, die sich jedoch in Enthaltung, Gebet und Fasten geübt hat, Ihn Selbst, den Unsterblichen und Unverweslichen schauen – wie Er in uns lebt. Das wird deshalb möglich, weil unsere Seele, ungeachtet ihrer Versteinerung und sturen Verharrens in der Sünde, zur Gemeinschaft mit Gott berufen ist – und um dieser Gemeinschaft willen von Gott ihrem Wesen nach unsterblich geschaffen ist. Eingetaucht durch die Taufe in Christus, können wir in uns die Sünde abtöten und den Tod, indem wir die Auferstehung Christi als unwankelbare Grundlage unseres Lebens setzen sowie unserer Mit-Auferstehung mit Ihm: „Mit Ihm begraben in der Taufe, in welcher ihr auch mitauferweckt worden seid in Ihm” (Kol 2,12,); „seid ihr gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott (Kol 3,3); “So denn, Brüder, sind wir Schuldner, nicht dem Fleische, um nach dem Fleische zu leben, denn wenn ihr nach dem Fleische lebt, so werdet ihr sterben, wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben” (Röm 8,12-13). “Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Hurerei, Unreinigkeit, Leidenschaft, böse Lust und Habsucht, welche Götzendienst ist” (Kol 3,5).

Wir selbst sind verantwortlich für unsere Belebung und Auferstehung. Der Herr hat uns alles bereitet: unsere Aufgabe ist es – Seinem Göttlichen und stets Christus-Auferstehenden Willen zuzustimmen: „Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes”(Röm 4,14). “Wir sind Kinder Gottes. Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir anders mitleiden, auf dass wir auch mitverherrlicht werden” (Röm 8,16-17).

Wenn wir in der lichten Osternacht den althergebrachten aber ewig neuen Gesang hören “Da wir die Auferstehung Christi geschaut haben...”, lasst uns unseren geistlichen Blick in die Tiefe unserer Herzen wenden und dem Herrn dafür danken, dass Er uns solcher unverdienter Ehre gewürdigt hat – unserer persönlichen Mit-Auferstehung mit Ihm! „Besingen wir Seine Auferstehung“, indem wir in uns diese Wahrheit Christi bekräftigen: „die Kreuzigung erlitten, den Tod durch den Tod besiegt“!

Im Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes zu uns allen begrüße ich euch alle mit dem freudigen Ausruf:
Christus ist auferstanden!
Wahrhaftig ist Er auferstanden!

+MARK, Erzbischof von Berlin und Deutschland
München-Berlin
Ostern 2016

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